Vorreiter der Energiewende

Veröffentlicht am 10.05.2016.

Mit nachhaltigen Energiekonzepten Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, ist für den Unternehmer Konrad Weiß selbstverständlich. Doch inzwischen zahlt sich sein Engagement auch bei der Gewinnung von Kunden und Mitarbeitern aus.


Von Ulla Cramer

Im eher beschaulichen und dörflichen Waldangelloch, einem Stadtteil von Sinsheim, fällt das Areal der B&S Service GmbH am Ortseingang gleich ins Auge. Neben den 3.000 und 1.500 Quadratmeter großen Lagern dreht sich ein Windrad, auf dem nach Süden geneigten Dach des Carports glitzern Solarmodule und eine Ladestation steht zum „Auftanken“ der drei Elektrofahrzeuge – einem Smart, einem Mercedes-Benz der B-Klasse und einem Mercedes 350 E Plug-In – bereit. „Wir fahren mit Sonne und Wind“ ist auf den Wagen zu lesen.

Konrad Weiß, geschäftsführender Gesellschafter des Spezialisten für Sicherheitssysteme, erklärt sein Energiekonzept. „5,5 kW bringt mein 10 Meter hohes Windrad und rund 10 kW die rund 60 Solarmodule auf dem Carport, den ich selber konstruiert und mit Unterstützung meines Schlossers umgesetzt habe.“ Lithium-Akkus speichern die so erzeugte Energie drei Tage lang und sichern die Versorgung auch, wenn einmal nicht die Sonne scheint oder ein kräftiger Wind bläst. „Wir brauchen ungefähr 10.000 kWh im Jahr. Dieses Volumen können wir selbst erzeugen und sind damit energieautark“, berichtet Weiß. „Es reicht neben der Beleuchtung, dem Betrieb von Computern und Maschinen auch für die Erwärmung von Brauchwasser.“ Die Heizungen für die Lager werden mit Pellets betrieben. Ein Drittel der Energiekosten konnte B&S Service auf diese Weise einsparen – wobei jedoch auch das Thema Energieeffizienz eine wichtige Rolle spielte. So wurde die gesamte Beleuchtung – inklusive dem Außenbereich – auf LED umgestellt. Präsenzmelder sorgen zusätzlich dafür, dass bei der Beleuchtung kein Geld verschwendet wird. Rund 70.000 Euro hat Weiß das Solar-Wind-Projekt bei der Installation 2012 gekostet, die er als Privatmann investiert hat. „Mithilfe dieses Modells verkaufe ich als Privatperson die Energie an mein Unternehmen.“ 2019, davon ist der Unternehmer überzeugt, werden sich die Investitionen amortisiert haben.

Zu signifikanten Einsparungen hat auch der elektromobile Fuhrpark geführt, der mit einer Ladesäule mit einer Leistung von 2x22 kW „betankt“ wird. „Bei einer Laufleistung von 20.000 Kilometern pro Jahr haben wir allein bei unserem Smart fast 50 Prozent der Treibstoffkosten reduziert. Sie sanken von 1.800 auf 1.000 Euro im Jahr.“ Wegen der bisher noch geringen Reichweite verfügt B&S Service über weitere Fahrzeuge. „Aber auch hier haben wir umweltfreundliche Modelle gewählt, die mit der Blue-Tec-Technologie ausgestattet sind“, so Weiß. Doch für die kurze Strecke zwischen dem Lager in der Gewerbestraße und dem nahe gelegenen Büro in der Michelfelder Straße schwingt sich der Firmenchef in der Regel auf sein E-Bike.

Das kleine Büro in der Michelfelder Straße wird jedoch in wenigen Wochen aufgelöst. Für rund 1,8 Millionen Euro errichtet B&S Service derzeit zwei neue Gebäude mit einer Fläche von 600 Quadratmetern für die Büros und von 300 Quadratmetern für ein ergänzendes Lager und eine Ausbildungswerkstatt. Der Einzug ist für Juli vorgesehen. Das Thema Energieeffizienz und Nachhaltigkeit steht natürlich auch bei dem neuen Projekt ganz oben auf der Agenda. Statt Pellets sollen in den neuen Bauten Miscanthus-Pflanzen für Wärme sorgen. 2013 hat Weiß, der vor einigen Jahren die kleine Landwirtschaft seines Vaters übernommen hat, eigenhändig eine entsprechende Pflanzung angelegt. 2015 konnte das erste Mal geerntet werden. Der Ertrag betrug rund 20 Tonnen je Hektar. Die unter dem Namen Riesen-Chinaschilf bekannte Pflanze punktet mit einem guten Brennwert, einer günstigen CO2-Bilanz und braucht keinen Dünger. „Sie düngt sich selbst, sobald ihre Blätter auf den Boden fallen“, freut sich der Firmenchef, dass B&S Service demnächst auch bei der Wärmeversorgung autark ist – denn die Pelletheizung im alten Lager soll ebenfalls auf einen Miscanthus-Brenner umgestellt werden. Im Serverraum möchte er eine Luft-Wärmepumpe einsetzen, die die von den Servern abgegebene Wärme für die Erwärmung des Brauchwassers verwendet. „Dann brauchen wir im Sommer die Heizung auch nicht mehr für warmes Wasser“, fasst Weiß die Vorzüge dieser Entscheidung zusammen.

Eine neue Ladestation ist ebenfalls geplant, ein Thema, bei dem Weiß gerade mit der Kommune Sinsheim verhandelt. „Wir möchten, dass die Ladestation auf öffentlichem Gelände an einem vorbeilaufenden Radweg für jeden zugänglich ist und mit einer Ladestruktur für Pkw und E-Bikes sowie einer Notrufsäule ausgestattet ist“, berichtet er von seinen Plänen.

Sein Know-how in Sachen Energieeffizienz kommt Konrad Weiß auch bei seinen Kunden zugute. „Die Konkurrenz akquiriert vor allem über den Preis“, weiß der Geschäftsführer. „Natürlich ist dies bei uns ebenfalls ein wichtiger Faktor, doch bei uns stehen Service und vor allem das Energiemanagement im Fokus.“ Große Handelsunternehmen, Drogerieketten, Speditionen sowie Parkhausbetreiber zählen zu den Kunden des Sicherheitsspezialisten, der Warensicherungssysteme, Videoüberwachungssysteme und Zutrittskontrollsysteme anbietet und für seine Kunden rund um die Uhr erreichbar ist. „Man kann eine Menge Monitore und richtig viel Energie sparen, wenn man auf einem Gerät mehrere Überwachungsbilder laufen lässt und die Digitalrecorder nur dann arbeiten, wenn sich tatsächlich etwas bewegt“, zählt Weiß nur einige Vorschläge auf, mit denen er bei seinen Kunden auf große Resonanz stößt. „Bei einem großen Premiumhandelshaus konnten wir so die Energiekosten von 12.000 auf 500 Euro pro Jahr reduzieren – und damit hat sich unsere Kompetenz in Sachen Energie zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickelt.“

Ein Wettbewerbsvorteil ist das nachhaltige Engagement von B&S Service auch bei der Gewinnung von neuen Mitarbeitern. 26 Beschäftigte zählt das Unternehmen, das 10 Standorte in Deutschland und einen Stützpunkt  in Tschechien unterhält. 10 davon arbeiten in Waldangelloch und Umgebung. „Es ist nicht so einfach, qualifiziertes Personal in unsere ländliche Region zu holen“, so die Erfahrung des Unternehmers. Da kann ein Engagement für die Umwelt schon mit ausschlaggebend sein, wenn ein Mitarbeiter die Wahl zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen hat. Außerdem bringt sich Konrad Weiß bei zukünftigen Fachkräften in Position. „Zahlreiche Schulklassen besuchen unsere Firma – auch im Rahmen von zwei Bildungspartnerschafen, die wir unterhalten. Bei Kindern und Jugendlichen stößt das Thema Nachhaltigkeit ebenfalls auf große Resonanz.“


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